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DIY-Wachsstoff: Oilskin selbermachen

Eigentlich wollte ich euch hier meinen neuen Rucksack zeigen, den ich aus selbstgemachtem Oilskin genäht habe.
Leider war ich nun ausgerechnet in der einzigen Sommerferienwoche mit Ferienbetreuung krank und es hat nur für die Stoffbeschichtung gereicht. Aber das ist ja auch schon spannend.
Den Rucksack zeige ich euch dann eben später!

 

Oilskin selbermachen? Wie geht das?

Oilskin bzw. Wachsstoff, der (mit Naturmaterialien) imprägnierte Baumwollstoff, liegt voll im Trend.
Da hat mich natürlich mal wieder der Ehrgeiz gepackt: Kann man nicht eigentlich jeden festeren Stoff mit Wachs beschichten und gewachste Baumwolle selber herstellen?
Ich will ja auch weniger kaufen und erst mal das Vorhandene verbrauchen. Und Stoff ist schließlich noch mehr als genug im Haus!

Also hab mir festeren Jeans (ohne Stretch) ausgesucht, ein bisschen recherchiert und herumprobiert.

Oilskin (Wachsstoff) selbermachen: So gehts

Selfmade Oilskin: Womit beschichten?

Meine ersten Imprägnier-Versuche habe ich mit Ölen und Wachsen gemacht, die ich eh im Haus hatte:
Leinöl. Bienenwachs. Und – Silikonöl (dazu später mehr. Es darf gelacht werden!).

 

 

Idee 1: Leinöl

Traditionelles Ölzeug wurde schon vor Jahrhunderten mit Leinöl wetterfest gemacht.

Oilskin selbermachen mit Leinöl: Baumwolle imprägnieren
Das geht auch heute noch, das Problem ist nur: Mit Leinöl getränkte Stoffe können sich unter Umständen selbst entzünden.
Ich habe meinen leinöl-getränkten Fetzen Jeans also supervorsichtig auf die Wäscheleine gehängt und war doch froh, dass am nächsten Tag nicht die Terrasse abgebrannt war.

Leinöl: Ölzeug traditionell selber herstellen
Nee, so geht das nicht. Wenn mir die Sache schon nicht geheuer ist – und ich bin bei sowas eher schmerzbefreit – dann kann ich das nicht guten Gewissens empfehlen.
Auch wenn mein Leinöl-“Ölzeug” nach ein paar Tagen angenehm fest war und sich sicher gut vernähen ließe.
Weiterer Nachteil: Leinöl riecht, auch in getrocknetem Zustand, immer etwas muffig.
Es hat eine mehr oder weniger gelbliche Farbe, die sich mit der Farbe des Stoffes vermischt.

Bezugsquellen:
Leinöl bekommst du z.B. im Künstlerbedarf, im Bastelladen* oder einfach im Lebensmittelgeschäft.
Aber bitte mit Vorsicht genießen!

 

 

Idee 2: Bienenwachs

Spätestens seit den Bienenwachstüchern als Ersatz für Frischhaltefolie wissen wir: Mit Bienenwachs kann man wunderbar Stoffe beschichten.
Aber taugen die auch zum Vernähen?

Bienenwachs zum beschichten von Stoff
Mein mit Bienenwachs beschichteter Jeans wird schnell fest und ist nicht zu steif – aber, er schmiert. Und zwar vermutlich auch beim Nähen.
Kann das richtig sein?
Auf der Techtextil habe ich dazu extra einen netten Herrn vom englischen Traditionshersteller British Millerain gefragt. Tatsächlich meinte auch er zum Nähen mit Wachsstoffen: “you have to clean your sewing machine afterwards”.

Ok, wenn selbst diese Stoffe beim Nähen Wachs abgeben, bin ich mit dem Bienenwachs ja womöglich nicht völlig auf dem falschen Weg.
(damit keine Verwirrung aufkommt: sicherlich sind die englischen Wachs-Stoffe mit anderen Wachsen beschichtet!)

DIY Wachs-Stoff mit Bienenwachs getränkt
Für meinen Geschmack ist mein mit Bienenwachs imprägnierter Stoff jedenfalls etwas zu weich und nicht kratzfest genug.
Er riecht aber sehr angenehm, Bienenwachs halt.
Bienenwachs gibt es in gelblich und weiß. Für helle Stoffe wäre das weiße Wachs vielleicht die bessere Wahl.

Bezugsquellen:
Bienenwachs bekommst du z.B. im Bastelladen*, im Bioladen oder beim Imker. 

 

 

Idee 3: Silikonöl

Vermutlich die Schnapsidee des Jahres: mein Versuch, Stoffe mit Silikonöl zu imprägnieren.
Es gibt ja durchaus mit Silikon beschichtete Stoffe (ich erinnere mich noch gut an die silikonbeschichtete Regenhose meiner Tochter, die jede Rutsche zur Raketenabschussrampe werden ließ!).
Allerdings sind diese Stoffe eben mit Silikon beschichtet, nicht mit Silikonöl.

Baumwollstoff beschichten mit Silikon-Öl
Silikon härtet auch tatsächlich nach einiger Zeit aus (so habe ich es zumindest verstanden), Silikonöl aber nicht. Zudem gibt es sehr viele verschiedene Silikone.
So wurde mein Stoff, den ich in Silikonöl getränkt hatte, auch nach Tagen überhaupt nicht fest.
Aber – hätte ja sein können!

auprobiert: Stoff mit Silikon-Öl imprägnieren?
Und wenn ihr euch nun fragt, warum zur Hölle ich Silikonöl im Haus habe: Viele der gängigen Mittel gegen Kopfläuse sind im Grunde einfach Silikonöl. Das habe ich also genommen und auf den Stoff gekippt.
Eigentlich ein Glück, dass DAS auch nach Tagen nicht aushärtet!

Bezugsquellen:
Silikonöl bekommst du z.B. im Baumarkt, Künstlerbedarf / Bastelladen* oder in der Apotheke.
Zum Beschichten von Stoff ist es allerdings nicht geeignet.

 

 

Tja. Das dies alles noch nicht der Weisheit letzter Schluss war, habe ich dann doch noch ein weiteres Material dazugekauft.
Und zwar Carnaubawachs:

 

Idee 4: Carnaubawachs

Eine vegane Alternative zum Bienenwachs ist Carnaubawachs.

Carnaubawachs als Stoff-Beschichtung: Selfmade Oelzeug
Ich habe erstmal versucht herauszufinden, wie umweltfreundlich dieses Wachs ist – schließlich stammt es von brasilianischen Palmen (Alarmglocken!). Es ist aber kein Palmöl und wächst auch nicht auf gerodeten Urwaldböden. Das ist schonmal gut. Allerdings habe ich leider keine Bezugsquelle für Fair Trade Carnaubawachs (Sustainable Carnauba) gefunden, was sinnvoll wäre, wenn du Niedriglöhne und Kinderarbeit sicher vermeiden möchtest. (Kennt jemand da eine Quelle?)

Oilskin selbermachen mit Carnaubawachs
Wie auch immer. Zum Imprägnieren eignet es sich jedenfalls gut:
Carnaubawachs schmiert nicht so sehr wie Bienenwachs und ist auch wesentlich härter. Mein mit reinem Carnabuawachs beschichteter Stoff wurde somit auch ziemlich steif.
Das Wachs ist ziemlich geruchsneutral und kratzfest.
Die gelbliche Färbung wirkt sich dezent auf die Farbe des Stoffes aus.

Bezugsquellen:
Carnabuawachs bekommst du z.B. im Bastelladen oder Künstlerbedarf. Ich habe mein Wachs hier vor Ort bei boesner in unserem “Künstler-Supermarkt” gekauft.

 

 

Ideen 5, 6 und 7:

Weitere Ideen für selber gewachste Baumwolle wären übrigens Japanwachs (Beerenwachs / Sumachwachs) und Otter Wax (danke Sylvi!). Ausprobiert habe ich das allerdings (noch) nicht.

Und dann war da noch der Babybel.
Ich hatte diese selten doofe Idee schon wieder völlig verdrängt, da fielen mir meine ersten Probestoff-Stücke wieder in die Hände.

Käse-Wachs als Stoffbeschichtung: Ein Versuch
Ihr kennt sicher die rote Wachsschicht um den Schrottkäse, den wir halt doch hin und wieder kaufen, weil die Kinder ihn so toll finden und er so praktisch für unterwegs ist!?
Jedenfalls habe ich mir so eine Wachshülle einfach mal geschnappt und in den Stoff eingebügelt.

ausprobiert: DIY-Oilskin mit Käse-Wachs
Geht das?!? Geht natürlich nicht. Denn, auch Käseumhüllungswachs ist viel zu weich, um Stoff vernünftig zu imprägnieren.
Es schmilzt natürlich super und hat auch eine lustige Farbe, aber es wird halt auch auf Stoff nicht fester als sonst – also noch schlimmer als das Bienenwachs. Und es schmiert!

Kerzenwachs (also Paraffin) hätte sich übrigens sicher ähnlich verhalten. Das hatte ich früher schonmal probiert und definitiv für untauglich befunden.

Immerhin kann ich jetzt schlussfolgern, dass (mit Ausnahme des Leinöls) nichts härter wird, als es vor dem Auftragen auf den Stoff gewesen ist. Daran kannst du dich im Grunde wunderbar orientieren:

Willst du geschmeidigen Stoff herstellen? Dann nimm Bienenwachs zum Imprägnieren.

Für festeren, steiferen und etwas kratzfesteren Stoff ist womöglich Carnaubawachs (oder ggf. Leinöl) die bessere Wahl.

 

 

Und so habe ich meinen Stoff dann imprägniert:

Die Mischung macht’s: Am schönsten ist ein Mix aus Bienen- und Carnaubawachs.

Da mir das Bienenwachs zu weich war und das Carnaubawachs zu hart wurde, habe ich die beiden Wachse am Ende gemischt.
Das wird übrigens auch auf der Packung des Carnaubawachses empfohlen. Und zwar im Mischungsverhältnis 30:70, also 30% Carnauba und 70% Biene.

Wachsstoff selber herstellen mit einer Mischung auch Bienenwachs und Carnaubawachs

 

 

Stoff mit Wachs imprägnieren – so gehts:

Imprägnieren kannst du deinen (sauberen, vorgewaschenen) Baumwollstoff entweder mit dem Bügeleisen oder im Backofen.
Sicher geht es auch mit der Bügelpresse oder einem Crêpes-Eisen! Habe ich aber leider nicht im Haus.
Also…

Wachsen mit dem Bügeleisen:

Meine Probeschnipsel habe ich mit dem Bügeleisen gewachst.
Wichtig ist dabei, das Bügelbrett gut abzudecken (eine Schicht Backpapier reicht NICHT! Nimm lieber ein paar Lagen Molton oder ein altes Handtuch als Bügelunterlage und lege ein, zwei Lagen nicht saugendes Backpapier oben drauf).

Dann kommt der Stoff, den du gleichmäßig mit deinem Wachs bestreust.


Oben drauf kommt nochmal eine Lage Backpapier, und dann bügelst du gleichmäßig (mittlere Hitze, also zwei Punkte ••, sollte ausreichen), bis alles geschmolzen und verteilt ist.


Von der (helleren) Stoffrückseite aus kannst du nachher womöglich besser sehen, ob dein Wachs überall schön verteilt ist. Teste einfach vorher an einem kleinen Stück Stoff, wie viel Wachs du brauchst.

Das Imprägnieren mit dem Bügeleisen geht schnell, ist aber womöglich eine fettige und Flecken verursachende Angelegenheit.

 

Wachsen im Backofen:

Den Stoff für meinen Rucksack habe ich schließlich im Backofen beschichtet: Auf dem Backblech auf einer Schicht Backpapier, ohne Umluft und bei 120°C.

Ich habe gleich zwei Lagen Stoff auf einmal imprägniert und das Wachsgemisch einfach dazwischen verteilt.


Für zwei Stofflagen brauchst du natürlich etwas mehr Wachs als für nur eine Schicht. Am besten probierst du vorher an einem kleinen Stoffstück aus, wie viel Wachs du für deinen gewünschten Effekt benötigst.


Lass den Stoff dann so lange im Ofen, bis alles geschmolzen ist – also einige Minuten.

Bienenwachs schmilzt zwar schon bei ca. 60°C und Carnaubawachs bei knapp über 80°C, aber bei 90°C Ofentemperatur hat es mir doch zu lange gedauert.

Das Imprägnieren im Backofen dauert etwas länger, ist dafür aber bequem und eine ziemlich saubere Sache.

 

Hurra! Fertig ist mein imprägnierter Jeans a.k.a. selfmade Oilskin!

So hatte ich mir das vorgestellt: Der Stoff ist schön fest und steht fast schon von selbst.

Wenn man den Wachsstoff zerknüllt, bekommt er sichtbare Knicke, aber er springt auch noch ein bisschen in seine urspüngliche Form zurück.

Beim Zerknüllen löst sich kein Wachs ab und der Stoff fühlt sich auch nicht schmierig an.

Also wie ein klassischer Wachs(jacken)stoff, aber in Jeansoptik. Sehr schick!
Ich bin schon sehr gespannt, wie er sich vernähen lässt.

Dafür werde ich dann aber meine alte halbmechanische Nähmaschine rausholen, sicher ist sicher. Niemand hat Lust, eine computergesteuerte Zicke Diva hinterher von Wachsresten zu befreien!

Sobald mein Rucksack fertig ist, werde ich berichten! 🙂

Und klar, das Ganze geht natürlich auch mit alten zerschnittenen Kleidungsstücken als Upcycling-Stoff-Selbermach-Projekt!

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Oilskin selbermachen: So gehts. DIY Anleitung für gewachste Baumwolle
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3 Kommentare

  • Antworten SusKe 11/07/2019 at 11:53

    Hallo, so eine tolle Idee! ich bin begeistert, was Du Dir so einfallen lässt!
    Ich glaub, das muss ich mal probieren, denn ich habe noch genug Stoffe hier rumliegen!

    Vielen Dank für die lehrreichen und amüsanten Worte!

  • Antworten Tina 18/07/2019 at 18:14

    Das ist ein wirklich toll geschriebener Beitrag! Beim Käsewachs hab ich SO gelacht! Und das Ergebnis am Schluss animiert zum Nachmachen. Danke <3

  • Antworten Céline 23/07/2019 at 10:11

    Hallo,
    Sehr interessant, danke für die Forsch-Arbeit! Was das Impregnieren angeht, habe ich eine andere Lösung gefunden, die ich praktischer und “verteilter” finde (ohne sie probiert zu haben)…
    https://undiversell.wordpress.com/2019/03/03/bienenwachstuecher-aus-maennerhemden/
    Schöne Woche weiter!
    Céline

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