und sonst noch…

Faire Preise für (meine) e-Books

Ich bin ja generell eine große Freundin von Fair Trade & Co.
Nur direkt vor unserer Haustür scheint das Konzept manchmal noch so gar nicht angekommen zu sein. In den letzten Wochen ist jetzt aber viel Spannendes zum Thema “faire Preise” passiert.

fair kaufen faire preise für e-Books

Was war geschehen?

Vor Kurzem hat makerist uns VerkäuferInnen eine Mail geschickt, die für großes Aufsehen sorgte: Die Verkaufsprovision soll ganz bald von 20% auf satte 35% erhöht werden.

Diese Nachricht kam kurz nach dem DaWanda-Aus. Also in einem Moment, in dem die Umsatzeinbrüche noch lange nicht verdaut oder auf andere Portale verteilt waren. Für meinen Geschmack ein denkbar schlechter Zeitpunkt, der schon wieder die ein oder andere Existenzangst hochkommen ließ (wir erinnern uns, was dieses Jahr alles schon los war…).

Was bedeutet das für mich?

Für mich bedeutet es erstmal einfach nur 15% mehr Gebühren. Blöd, aber womöglich angesichts des praktischen Rundum-Service-Pakets von makerist noch zu verschmerzen.

Das Gute daran?

Die Sache hat tatsächlich einen Haufen Schnittmuster-, Anleitungs- und Plotdatei-DesignerInnen zusammengebracht.
Wir haben lange diskutiert, was wir nun tun könnten. Superinteressant, die verschiedenen Standpunkte und Konzepte zu lesen!
Und einig sind wir uns auf jeden Fall darin: Die regelmäßigen 2€-Aktionen sind mit 35% Gebühren nicht mehr tragbar.
Von jedem verkauften e-Book bleiben uns dann nämlich nur noch ganze 74 Cent.
74 Cent für ein Produkt, an dem man mehrere Wochen gearbeitet hat? Ernsthaft? Fair (Trade) ist das ganz sicher nicht.

Was mich dann wirklich zum Nachdenken gebracht hat:

Ich habe ja bei den berühmt-berüchtigten 2€-Aktionen meistens eh nicht mitgemacht. So what, klar bin ich bei einem Boykott dabei!
Dachte ich.
Dann haben aber einige Kolleginnen berichtet, WIE viel Umsatz sie bei diesen Aktionen gemacht haben. Und, dass die Aktionen ein fester Bestandteil ihrer Jahresplanung und Finanz-Kalkulation sind. Und dass sie deshalb nur unter Bauchschmerzen darauf verzichten mögen.
BITTE!?
War ich jetzt doof, auf diese offenbar lohnenden Finanzspritzen zu verzichten – oder verkaufen sich “die anderen” permanent unter Wert?
Kann (und sollte) man ein Business wirklich auf Dumpingangebote als fest einkalkuliertes Standbein aufbauen? Nee, oder?!

Nichts gegen Rabattaktionen und Sonderangebote. Ich komm schließlich ursprünglich aus Schwaben und kann auch nicht jedem Schnäppchen widerstehen.
Aber viermal im Jahr all seine Produkte zum absoluten Dumpingpreis rauszuhauen, nach dem Motto “die Masse macht’s”?
Und von Kundenseite: ellenlange Wunschlisten, die nur darauf warten zum unfairen Nicht-Normalpreis leergekauft zu werden?
Da bekomme ich massive Bauchschmerzen. Zumal ich ja schon lange im Designbereich unterwegs bin und es nichts Neues ist, dass Kreative ihre Arbeit unter Wert verkaufen. Berufskrankheit, sozusagen (von der ich auch nicht immer ganz frei bin).

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Die faire Preise-Aktion!

Jedenfalls, das mit den 74 Cent pro e-Book war nun doch für uns alle zu viel des Guten.
Daher haben wir kollektiv die “faire Preise – fair Kaufen”-Aktion ins Leben gerufen.

Über 100 Labels sind schon dabei:
Wir werden bei den kommenden 2€-Aktionen nicht mitmachen.
Wir möchten ein Zeichen setzen, dass bei solchen Preisen für ein e-Book die Grenze zu einer fairen und wertschätzenden Bezahlung definitiv unterschritten ist.
Nicht nur bei makerist – das war jetzt nur der Aufhänger – sondern auch anderswo. Dumpingpreise ade!

Denn, seien wir mal ehrlich: Die meisten dieser Superschnäppchen-e-Books enden doch eh als Datenmüll und werden nie genäht.
Und auch wenn es nur Daten-Müll ist – lasst uns doch den auch einfach vermeiden und statt dessen wieder überlegter und nachhaltiger einkaufen. Und dann die Nähanleitungen (bzw. Strick- und Häkelanleitungen, Stick- und Plottdateien,… ) auch tatsächlich nutzen!

Und die Konsequenzen?

Auf lange Sicht heißt es für mich wohl: Ein eigener Shop muss her.
Aber seht es mir nach, dass ich nach diesem Jahr erstmal keine akute Programmier-Lust mehr habe und mich stattdessen freue, dass die Verkaufsplattformen uns einen gewaltigen Teil an Arbeit abnehmen!

Natürlich könnte ich jetzt anfangen, die Preise zu erhöhen, womöglich auf jeder Plattform andere Preise nehmen… aber das ist ja auch doof für euch.
Falls ich es schaffe, meinen eigenen Shop zu erstellen, kann es da dann womöglich günstiger werden.
Aber ansonsten gelten bis auf Weiteres überall die gleichen Preise für meine Näh-e-books.

Und wenn ihr euch jetzt fragt, wo man denn am besten kaufen sollte: Tatsächlich bleibt bei etsy und dohero anteilig am meisten beim Designer hängen (also, im Moment – sowas ändert sich ja immer mal wieder).
Aber vor allem, hamstert einfach nicht wahllos zum Dumpingpreis. Ungenähte e-Books machen nicht glücklich, sondern ein schlechtes Gewissen!

Und klar: Liebe KollegInnen, wenn ihr euch auch der “fair Kaufen”-Aktion anschließen möchtet, meldet euch!

noch mehr zum Thema findest du hier:

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1 Kommentar

  • Antworten Maria 15/10/2018 at 19:36

    Das hast du super erklärt, ich finde es so schön, wie wir alle an einem Strang ziehen und jeder das Thema nochmal von einer anderen Ecke aus beleuchtet.
    Liebe Grüße Maria

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